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tassilo hofer
Sein Atelier und seinen Wohnsitz hat Tassilo
Hofer, 1934 in Augsburg als Sohn des Kunstmalers August Hofer geboren, seit 1969 in einer damals ruinösen, nun längst für die eigenen Zwecke nutzbar gemachten alten Mühle, am rauschenden Bach im Nördlichen Chiemgau.
Nach seinen Jahren als Bühnenbildner, Film- architekt und Mitgestalter öffentlicher Bauten – zuletzt in Berlin – zog sich Hofer zurück in die Gefilde der Kontemplation und eines naturnahen Lebens, das ihm die kontinuier-liche Fortsetzung seiner bildnerischen Arbeit ermöglicht.
Tassilo Hofer lädt nun ein zur Betrachtung seiner zumal neueren Arbeiten: Malerei und Plastik. Es sind Sinnbilder ganz persönlicher Art – ohne Vorbilder und ohne Vorarbeiten, stets offen für die eigene Prägung des Ergeb-nisses. Bestimmbare Assoziationen und weiterführende Ideen beziehen sich nicht auf ein Abbild von Etwas, sondern auf eine Sinn-gebung, die keinen Anspruch auf eine gültige Deutung erhebt.
So ist der schließlich „Ritual“ genannte große Bronze Tondo nicht als eine womöglich exakte Illustration eines begrenzten Vorgangs
zu verstehen, eines religiösen Zeremoniells von bekannten Formen und Ausmaßen. Hier immerhin gibt Hofer Erläuterungen an die Hand: Er bezieht sich auf Mendelssohn-Bartholdys weltliches Oratorium, (Große Kantate), „Die erste Walpurgisnacht“ op.60, dem die gleichnamige Ballade Goethes von 1799 zugrunde liegt. Der im Mittelteil von Mendelssohn entfachte gewaltige Höllenspuk (Robert Waltemath) entfaltet mit dem gesam-ten Chor und großem Orchester ein Inferno, das mit der 1842-43 überarbeiteten und am 2. Febr. 1843 im Leipziger Gewandhaus
aufgeführten und heute gültigen Fassung
insbesondere Hector Berlioz auf euphorische Weise faszinierte.
Hofer kann sich selber mit diesen nachträglich herangezogenen Fundstellen eine Bestäti-gung seines ursprünglichen gestalterischen Ansatzes und der handwerklich aufwändigen Durchführung liefern. Für ihn gelten primär die Stichworte Höllenspuk und Inferno in der Charakterisierung seines großen, schweren Tondo-Reliefs. Fest und aufrecht in der stür-mischen Woge scheint der Rest eines alten Baumes dem Tosen der wilden Elemente zu trotzen. Borkige und löcherige Partien der solchermaßen differenzierten Flächen tragen bei zur Dynamik des Ganzen. Bis zum hellen Messing-Charakter sandgestrahlte und polier-te Partien ragen hervor aus dem grünlichen und bläulichen Schwarz der Brandstätte.
Begleitet wird das Hauptwerk von einem rechtwinkligen Relief voller Entsprechungen ähnlicher Art. Hofer sieht sich insbesondere bestätigt durch Goethes Erläuterungen zu seiner Walpurgisnacht-Ballade: Goethes Brief an Mendelssohn: „Es ist im eigentlichen Sinne hochsymbolisch intentioniert, denn es muss sich in der Weltgeschichte immerfort wieder-holen, daß ein Altes, Gegründetes, Geprüftes, Beruhigendes durch auftauchende Neuerun-gen gedrängt, geschoben, verrückt und wo nicht vertilgt, so doch in den engsten Raum eingepfercht werde.“ Dort auf dem Blocks-berg, im wüsten und gemeinhin unzugäng-lichen Gebirge des Harzes, werden die alten keltischen Rituale durch die Druiden voll-zogen, gegen „die aufspürenden bewaffneten Bekehrer“ des „dem Volke aufgedrungenen“ Christentums. In der Walpurgisnacht vertrei-ben die Druiden ihre christlichen Widersacher indem sie deren eigenen Aberglauben gegen sie einsetzen um unter dem Schutz von
Teufelsfratzen und wilden Hexentänzen „den reinsten Gottesdienst zu vollenden“ (Goethe
1799 an Friedrich Zelter). Die Ballade schließt nach der Flucht der von Flammenglut, damp-fenden Höllen-Broden und entsetzlichem Getöse vertriebenen christlichen Bekehrer mit dem Chor der Druiden:
Die Flamme reinigt sich vom Rauch:
So rein’ge unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch,
Dein Licht wer kann es rauben!“
Tassilo Hofer sieht hier den Ansatz zum Sinngehalt und zur Zeitnähe seines Tondos: Eine Religion bekämpft die andere, womög-lich mit ihren eigenen Waffen, Ritual steht gegen Ritual. – Dass die Strukturen seines Tondos auch „Schöpfung“ meinen könnten, mag durchaus gefragt werden, - kein Widerspruch also.
Das Relief „Sprache des Vergangen“ erinnert an sagenhafte Städte, die längst zu Grunde gingen: ob Ninive, Sodom oder Gomorra, Troja oder Babylon. Hofer: „Es ist das Ver-gangene das einmal Etwas war, das zu den
Menschen spricht, das sie beschäftigt, ihre Fantasie anregt. – Alles wird einmal vergangen sein, auch unsere (Mega-) Städte.“
Tassilo Hofer malt grundsätzlich nicht das, was er vordergründig sieht. Seine Bilder sind keine Abbilder. Seine harmonikalen Ordnun-gen entstehen in seinen neueren Werken aus hellen, gelben Bahnen inmitten von Abstufun-gen und Feldern aus Blau und Grün. Wege und Straßen scheinen gemeint zu sein und sind es doch nicht in der Absicht des Malers. Keine Landschaften also, doch allemal eine Ordnung, voller Wechselspiel und Entspre-chung. Selbst eine auf den ersten Blick so er-scheinende Berg- und Wasserlandschaft ist keine solche, soll es nicht sein. Beim schließ-lich gegebenen Bildtitel „Mirage“ dachte Hofer an die eigentliche Bedeutung des Wortes: Luftspiegelung, Fata Morgana, Täuschung.
Es ist alles die künstlerische Ernte von sechs Monaten, preisgegeben der öffentlichen Betrachtung am Ort des Entstehens: zum Schauen und zum Denken Anlass gebend, inmitten von Gartengrün am munteren Mühlbach.
Reinhard Müller-Mehlis
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tassilo hofer
Sein Atelier und seinen Wohnsitz hat Tassilo
Hofer, 1934 in Augsburg als Sohn des Kunstmalers August Hofer geboren, seit 1969 in einer damals ruinösen, nun längst für die eigenen Zwecke nutzbar gemachten alten Mühle, am rauschenden Bach im Nördlichen Chiemgau.
Nach seinen Jahren als Bühnenbildner, Film- architekt und Mitgestalter öffentlicher Bauten – zuletzt in Berlin – zog sich Hofer zurück in die Gefilde der Kontemplation und eines naturnahen Lebens, das ihm die kontinuier-liche Fortsetzung seiner bildnerischen Arbeit ermöglicht.
Tassilo Hofer lädt nun ein zur Betrachtung seiner zumal neueren Arbeiten: Malerei und Plastik. Es sind Sinnbilder ganz persönlicher Art – ohne Vorbilder und ohne Vorarbeiten, stets offen für die eigene Prägung des Ergeb-nisses. Bestimmbare Assoziationen und weiterführende Ideen beziehen sich nicht auf ein Abbild von Etwas, sondern auf eine Sinn-gebung, die keinen Anspruch auf eine gültige Deutung erhebt.
So ist der schließlich „Ritual“ genannte große Bronze Tondo nicht als eine womöglich exakte Illustration eines begrenzten Vorgangs
zu verstehen, eines religiösen Zeremoniells von bekannten Formen und Ausmaßen. Hier immerhin gibt Hofer Erläuterungen an die Hand: Er bezieht sich auf Mendelssohn-Bartholdys weltliches Oratorium, (Große Kantate), „Die erste Walpurgisnacht“ op.60, dem die gleichnamige Ballade Goethes von 1799 zugrunde liegt. Der im Mittelteil von Mendelssohn entfachte gewaltige Höllenspuk (Robert Waltemath) entfaltet mit dem gesam-ten Chor und großem Orchester ein Inferno, das mit der 1842-43 überarbeiteten und am 2. Febr. 1843 im Leipziger Gewandhaus
aufgeführten und heute gültigen Fassung
insbesondere Hector Berlioz auf euphorische Weise faszinierte.
Hofer kann sich selber mit diesen nachträglich herangezogenen Fundstellen eine Bestäti-gung seines ursprünglichen gestalterischen Ansatzes und der handwerklich aufwändigen Durchführung liefern. Für ihn gelten primär die Stichworte Höllenspuk und Inferno in der Charakterisierung seines großen, schweren Tondo-Reliefs. Fest und aufrecht in der stür-mischen Woge scheint der Rest eines alten Baumes dem Tosen der wilden Elemente zu trotzen. Borkige und löcherige Partien der solchermaßen differenzierten Flächen tragen bei zur Dynamik des Ganzen. Bis zum hellen Messing-Charakter sandgestrahlte und polier-te Partien ragen hervor aus dem grünlichen und bläulichen Schwarz der Brandstätte.
Begleitet wird das Hauptwerk von einem rechtwinkligen Relief voller Entsprechungen ähnlicher Art. Hofer sieht sich insbesondere bestätigt durch Goethes Erläuterungen zu seiner Walpurgisnacht-Ballade: Goethes Brief an Mendelssohn: „Es ist im eigentlichen Sinne hochsymbolisch intentioniert, denn es muss sich in der Weltgeschichte immerfort wieder-holen, daß ein Altes, Gegründetes, Geprüftes, Beruhigendes durch auftauchende Neuerun-gen gedrängt, geschoben, verrückt und wo nicht vertilgt, so doch in den engsten Raum eingepfercht werde.“ Dort auf dem Blocks-berg, im wüsten und gemeinhin unzugäng-lichen Gebirge des Harzes, werden die alten keltischen Rituale durch die Druiden voll-zogen, gegen „die aufspürenden bewaffneten Bekehrer“ des „dem Volke aufgedrungenen“ Christentums. In der Walpurgisnacht vertrei-ben die Druiden ihre christlichen Widersacher indem sie deren eigenen Aberglauben gegen sie einsetzen um unter dem Schutz von
Teufelsfratzen und wilden Hexentänzen „den reinsten Gottesdienst zu vollenden“ (Goethe
1799 an Friedrich Zelter). Die Ballade schließt nach der Flucht der von Flammenglut, damp-fenden Höllen-Broden und entsetzlichem Getöse vertriebenen christlichen Bekehrer mit dem Chor der Druiden:
Die Flamme reinigt sich vom Rauch:
So rein’ge unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch,
Dein Licht wer kann es rauben!“
Tassilo Hofer sieht hier den Ansatz zum Sinngehalt und zur Zeitnähe seines Tondos: Eine Religion bekämpft die andere, womög-lich mit ihren eigenen Waffen, Ritual steht gegen Ritual. – Dass die Strukturen seines Tondos auch „Schöpfung“ meinen könnten, mag durchaus gefragt werden, - kein Widerspruch also.
Das Relief „Sprache des Vergangen“ erinnert an sagenhafte Städte, die längst zu Grunde gingen: ob Ninive, Sodom oder Gomorra, Troja oder Babylon. Hofer: „Es ist das Ver-gangene das einmal Etwas war, das zu den
Menschen spricht, das sie beschäftigt, ihre Fantasie anregt. – Alles wird einmal vergangen sein, auch unsere (Mega-) Städte.“
Tassilo Hofer malt grundsätzlich nicht das, was er vordergründig sieht. Seine Bilder sind keine Abbilder. Seine harmonikalen Ordnun-gen entstehen in seinen neueren Werken aus hellen, gelben Bahnen inmitten von Abstufun-gen und Feldern aus Blau und Grün. Wege und Straßen scheinen gemeint zu sein und sind es doch nicht in der Absicht des Malers. Keine Landschaften also, doch allemal eine Ordnung, voller Wechselspiel und Entspre-chung. Selbst eine auf den ersten Blick so er-scheinende Berg- und Wasserlandschaft ist keine solche, soll es nicht sein. Beim schließ-lich gegebenen Bildtitel „Mirage“ dachte Hofer an die eigentliche Bedeutung des Wortes: Luftspiegelung, Fata Morgana, Täuschung.
Es ist alles die künstlerische Ernte von sechs Monaten, preisgegeben der öffentlichen Betrachtung am Ort des Entstehens: zum Schauen und zum Denken Anlass gebend, inmitten von Gartengrün am munteren Mühlbach.
Reinhard Müller-Mehlis
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tassilo hofer
Sein Atelier und seinen Wohnsitz hat Tassilo
Hofer, 1934 in Augsburg als Sohn des Kunstmalers August Hofer geboren, seit 1969 in einer damals ruinösen, nun längst für die eigenen Zwecke nutzbar gemachten alten Mühle, am rauschenden Bach im Nördlichen Chiemgau.
Nach seinen Jahren als Bühnenbildner, Film- architekt und Mitgestalter öffentlicher Bauten – zuletzt in Berlin – zog sich Hofer zurück in die Gefilde der Kontemplation und eines naturnahen Lebens, das ihm die kontinuier-liche Fortsetzung seiner bildnerischen Arbeit ermöglicht.
Tassilo Hofer lädt nun ein zur Betrachtung seiner zumal neueren Arbeiten: Malerei und Plastik. Es sind Sinnbilder ganz persönlicher Art – ohne Vorbilder und ohne Vorarbeiten, stets offen für die eigene Prägung des Ergeb-nisses. Bestimmbare Assoziationen und weiterführende Ideen beziehen sich nicht auf ein Abbild von Etwas, sondern auf eine Sinn-gebung, die keinen Anspruch auf eine gültige Deutung erhebt.
So ist der schließlich „Ritual“ genannte große Bronze Tondo nicht als eine womöglich exakte Illustration eines begrenzten Vorgangs
zu verstehen, eines religiösen Zeremoniells von bekannten Formen und Ausmaßen. Hier immerhin gibt Hofer Erläuterungen an die Hand: Er bezieht sich auf Mendelssohn-Bartholdys weltliches Oratorium, (Große Kantate), „Die erste Walpurgisnacht“ op.60, dem die gleichnamige Ballade Goethes von 1799 zugrunde liegt. Der im Mittelteil von Mendelssohn entfachte gewaltige Höllenspuk (Robert Waltemath) entfaltet mit dem gesam-ten Chor und großem Orchester ein Inferno, das mit der 1842-43 überarbeiteten und am 2. Febr. 1843 im Leipziger Gewandhaus
aufgeführten und heute gültigen Fassung
insbesondere Hector Berlioz auf euphorische Weise faszinierte.
Hofer kann sich selber mit diesen nachträglich herangezogenen Fundstellen eine Bestäti-gung seines ursprünglichen gestalterischen Ansatzes und der handwerklich aufwändigen Durchführung liefern. Für ihn gelten primär die Stichworte Höllenspuk und Inferno in der Charakterisierung seines großen, schweren Tondo-Reliefs. Fest und aufrecht in der stür-mischen Woge scheint der Rest eines alten Baumes dem Tosen der wilden Elemente zu trotzen. Borkige und löcherige Partien der solchermaßen differenzierten Flächen tragen bei zur Dynamik des Ganzen. Bis zum hellen Messing-Charakter sandgestrahlte und polier-te Partien ragen hervor aus dem grünlichen und bläulichen Schwarz der Brandstätte.
Begleitet wird das Hauptwerk von einem rechtwinkligen Relief voller Entsprechungen ähnlicher Art. Hofer sieht sich insbesondere bestätigt durch Goethes Erläuterungen zu seiner Walpurgisnacht-Ballade: Goethes Brief an Mendelssohn: „Es ist im eigentlichen Sinne hochsymbolisch intentioniert, denn es muss sich in der Weltgeschichte immerfort wieder-holen, daß ein Altes, Gegründetes, Geprüftes, Beruhigendes durch auftauchende Neuerun-gen gedrängt, geschoben, verrückt und wo nicht vertilgt, so doch in den engsten Raum eingepfercht werde.“ Dort auf dem Blocks-berg, im wüsten und gemeinhin unzugäng-lichen Gebirge des Harzes, werden die alten keltischen Rituale durch die Druiden voll-zogen, gegen „die aufspürenden bewaffneten Bekehrer“ des „dem Volke aufgedrungenen“ Christentums. In der Walpurgisnacht vertrei-ben die Druiden ihre christlichen Widersacher indem sie deren eigenen Aberglauben gegen sie einsetzen um unter dem Schutz von
Teufelsfratzen und wilden Hexentänzen „den reinsten Gottesdienst zu vollenden“ (Goethe
1799 an Friedrich Zelter). Die Ballade schließt nach der Flucht der von Flammenglut, damp-fenden Höllen-Broden und entsetzlichem Getöse vertriebenen christlichen Bekehrer mit dem Chor der Druiden:
Die Flamme reinigt sich vom Rauch:
So rein’ge unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch,
Dein Licht wer kann es rauben!“
Tassilo Hofer sieht hier den Ansatz zum Sinngehalt und zur Zeitnähe seines Tondos: Eine Religion bekämpft die andere, womög-lich mit ihren eigenen Waffen, Ritual steht gegen Ritual. – Dass die Strukturen seines Tondos auch „Schöpfung“ meinen könnten, mag durchaus gefragt werden, - kein Widerspruch also.
Das Relief „Sprache des Vergangen“ erinnert an sagenhafte Städte, die längst zu Grunde gingen: ob Ninive, Sodom oder Gomorra, Troja oder Babylon. Hofer: „Es ist das Ver-gangene das einmal Etwas war, das zu den
Menschen spricht, das sie beschäftigt, ihre Fantasie anregt. – Alles wird einmal vergangen sein, auch unsere (Mega-) Städte.“
Tassilo Hofer malt grundsätzlich nicht das, was er vordergründig sieht. Seine Bilder sind keine Abbilder. Seine harmonikalen Ordnun-gen entstehen in seinen neueren Werken aus hellen, gelben Bahnen inmitten von Abstufun-gen und Feldern aus Blau und Grün. Wege und Straßen scheinen gemeint zu sein und sind es doch nicht in der Absicht des Malers. Keine Landschaften also, doch allemal eine Ordnung, voller Wechselspiel und Entspre-chung. Selbst eine auf den ersten Blick so er-scheinende Berg- und Wasserlandschaft ist keine solche, soll es nicht sein. Beim schließ-lich gegebenen Bildtitel „Mirage“ dachte Hofer an die eigentliche Bedeutung des Wortes: Luftspiegelung, Fata Morgana, Täuschung.
Es ist alles die künstlerische Ernte von sechs Monaten, preisgegeben der öffentlichen Betrachtung am Ort des Entstehens: zum Schauen und zum Denken Anlass gebend, inmitten von Gartengrün am munteren Mühlbach.
Reinhard Müller-Mehlis
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Sein Atelier und seinen Wohnsitz hat Tassilo Hofer, 1934 in Augsburg als Sohn des Kunstmalers August Hofer geboren, seit 1969 in einer damals ruinösen, nun längst für die eigenen Zwecke nutzbar gemachten alten Mühle, am rauschenden Bach im Nördlichen Chiemgau.
Nach seinen Jahren als Bühnenbildner, Filmarchitekt und Mitgestalter öffentlicher Bauten – zuletzt in Berlin – zog sich Hofer zurück in die Gefilde der Kontemplation und eines naturnahen Lebens, das ihm die kontinuierliche Fortsetzung seiner bildnerischen Arbeit ermöglicht.
Tassilo Hofer lädt nun ein zur Betrachtung seiner zumal neueren Arbeiten: Malerei und Plastik. Es sind Sinnbilder ganz persönlicher Art – ohne Vorbilder und ohne Vorarbeiten, stets offen für die eigene Prägung des Ergebnisses. Bestimmbare Assoziationen und weiterführende Ideen beziehen sich nicht auf ein Abbild von Etwas, sondern auf eine Sinn-gebung, die keinen Anspruch auf eine gültige Deutung erhebt.
So ist der schließlich „Ritual“ genannte große Bronze Tondo ist nicht als eine womöglich exakte Illustration eines begrenzten Vorgangs zu verstehen, eines religiösen Zeremoniells von bekannten Formen und Ausmaßen. Hier immerhin gibt Hofer Erläuterungen an die Hand: Er bezieht sich auf Mendelssohn-Bartholdys weltliches Oratorium, (Große Kantate), „Die erste Walpurgisnacht“ op.60, dem die gleichnamige Ballade Goethes von 1799 zugrunde liegt. Der im Mittelteil von Mendelssohn entfachte gewaltige Höllenspuk (Robert Waltemath) entfaltet mit dem gesamten Chor und großem Orchester ein Inferno, das mit der 1842-43 überarbeiteten und am 2. Febr. 1843 im Leipziger Gewandhaus aufgeführten und heute gültigen Fassung insbesondere Hector Berlioz auf euphorische Weise faszinierte.
Hofer kann sich selber mit diesen nachträglich herangezogenen Fundstellen eine Bestätigung seines ursprünglichen gestalterischen Ansatzes und der handwerklich aufwändigen Durchführung liefern. Für ihn gelten primär die Stichworte Höllenspuk und Inferno in der Charakterisierung seines großen, schweren Tondo-Reliefs. Fest und aufrecht in der stürmischen Woge scheint der Rest eines alten Baumes dem Tosen der wilden Elemente zu trotzen. Borkige und löcherige Partien der solchermaßen differenzierten Flächen tragen bei zur Dynamik des Ganzen. Bis zum hellen Messing-Charakter sandgestrahlte und polierte Partien ragen hervor aus dem grünlichen und bläulichen Schwarz der Brandstätte.
Begleitet wird das Hauptwerk von einem rechtwinkligen Relief voller Entsprechungen ähnlicher Art. Hofer sieht sich insbesondere bestätigt durch Goethes Erläuterungen zu seiner Walpurgisnacht-Ballade: Goethes Brief an Mendelssohn: „Es ist im eigentlichen Sinne hochsymbolisch intentioniert, denn es muss sich in der Weltgeschichte immerfort wiederholen, dass ein Altes, Gegründetes, Geprüftes, Beruhigendes durch auftauchende Neuerungen gedrängt, geschoben, verrückt und wo nicht vertilgt, so doch in den engsten Raum eingepfercht werde.“ Dort auf dem Blocksberg, im wüsten und gemeinhin unzugänglichen Gebirge des Harzes, werden die alten keltischen Rituale durch die Druiden vollzogen, gegen „die aufspürenden bewaffneten Bekehrer“ des „dem Volke aufgedrungenen“ Christentums. In der Walpurgisnacht vertreiben die Druiden ihre christlichen Widersacher indem sie deren eigenen Aberglauben gegen sie einsetzen um unter dem Schutz von
Teufelsfratzen und wilden Hexentänzen „den reinsten Gottesdienst zu vollenden“ (Goethe
1799 an Friedrich Zelter). Die Ballade schließt nach der Flucht der von Flammenglut, dampfenden Höllen-Broden und entsetzlichem Getöse vertriebenen christlichen Bekehrer mit dem Chor der Druiden:
Die Flamme reinigt sich vom Rauch:
So rein’ge unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch,
Dein Licht wer kann es rauben!“
Tassilo Hofer sieht hier den Ansatz zum Sinngehalt und zur Zeitnähe seines Tondos: Eine Religion bekämpft die andere, womöglich mit ihren eigenen Waffen, Ritual steht gegen Ritual. – Dass die Strukturen seines Tondos auch „Schöpfung“ meinen könnten, mag durchaus gefragt werden, - kein Widerspruch also.
Das Relief „Sprache des Vergangen“ erinnert an sagenhafte Städte, die längst zu Grunde gingen: ob Ninive, Sodom oder Gomorra, Troja oder Babylon. Hofer: „Es ist das Vergangene das einmal Etwas war, das zu den
Menschen spricht, das sie beschäftigt, ihre Fantasie anregt. – Alles wird einmal vergangen sein, auch unsere (Mega-) Städte.“
Tassilo Hofer malt grundsätzlich nicht das, was er vordergründig sieht. Seine Bilder sind keine Abbilder. Seine harmonikalen Ordnungen entstehen in seinen neueren Werken aus hellen, gelben Bahnen inmitten von Abstufungen und Feldern aus Blau und Grün. Wege und Straßen scheinen gemeint zu sein und sind es doch nicht in der Absicht des Malers. Keine Landschaften also, doch allemal eine Ordnung, voller Wechselspiel und Entsprechung. Selbst eine auf den ersten Blick so erscheinende Berg- und Wasserland schaft ist keine solche, soll es nicht sein. Beim schließlich gegebenen Bildtitel „Mirage“ dachte Hofer an die eigentliche Bedeutung des Wortes: Luftspiegelung, Fata Morgana, Täuschung.
Es ist alles die künstlerische Ernte von sechs Monaten, preisgegeben der öffentlichen Betrachtung am Ort des Entstehens: zum Schauen und zum Denken Anlass gebend, inmitten von Gartengrün am munteren Mühlbach. Reinhard Müller-Mehlis
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Sein Atelier und seinen Wohnsitz hat Tassilo Hofer, 1934 in Augsburg als Sohn des Kunstmalers August Hofer geboren, seit 1969 in einer damals ruinösen, nun längst für die eigenen Zwecke nutzbar gemachten alten Mühle, am rauschenden Bach im Nördlichen Chiemgau.
Nach seinen Jahren als Bühnenbildner, Filmarchitekt und Mitgestalter öffentlicher Bauten – zuletzt in Berlin – zog sich Hofer zurück in die Gefilde der Kontemplation und eines naturnahen Lebens, das ihm die kontinuierliche Fortsetzung seiner bildnerischen Arbeit ermöglicht.
Tassilo Hofer lädt nun ein zur Betrachtung seiner zumal neueren Arbeiten: Malerei und Plastik. Es sind Sinnbilder ganz persönlicher Art – ohne Vorbilder und ohne Vorarbeiten, stets offen für die eigene Prägung des Ergebnisses. Bestimmbare Assoziationen und weiterführende Ideen beziehen sich nicht auf ein Abbild von Etwas, sondern auf eine Sinn-gebung, die keinen Anspruch auf eine gültige Deutung erhebt.
So ist der schließlich „Ritual“ genannte große Bronze Tondo ist nicht als eine womöglich exakte Illustration eines begrenzten Vorgangs zu verstehen, eines religiösen Zeremoniells von bekannten Formen und Ausmaßen. Hier immerhin gibt Hofer Erläuterungen an die Hand: Er bezieht sich auf Mendelssohn-Bartholdys weltliches Oratorium, (Große Kantate), „Die erste Walpurgisnacht“ op.60, dem die gleichnamige Ballade Goethes von 1799 zugrunde liegt. Der im Mittelteil von Mendelssohn entfachte gewaltige Höllenspuk (Robert Waltemath) entfaltet mit dem gesamten Chor und großem Orchester ein Inferno, das mit der 1842-43 überarbeiteten und am 2. Febr. 1843 im Leipziger Gewandhaus aufgeführten und heute gültigen Fassung insbesondere Hector Berlioz auf euphorische Weise faszinierte.
Hofer kann sich selber mit diesen nachträglich herangezogenen Fundstellen eine Bestätigung seines ursprünglichen gestalterischen Ansatzes und der handwerklich aufwändigen Durchführung liefern. Für ihn gelten primär die Stichworte Höllenspuk und Inferno in der Charakterisierung seines großen, schweren Tondo-Reliefs. Fest und aufrecht in der stürmischen Woge scheint der Rest eines alten Baumes dem Tosen der wilden Elemente zu trotzen. Borkige und löcherige Partien der solchermaßen differenzierten Flächen tragen bei zur Dynamik des Ganzen. Bis zum hellen Messing-Charakter sandgestrahlte und polierte Partien ragen hervor aus dem grünlichen und bläulichen Schwarz der Brandstätte.
Begleitet wird das Hauptwerk von einem rechtwinkligen Relief voller Entsprechungen ähnlicher Art. Hofer sieht sich insbesondere bestätigt durch Goethes Erläuterungen zu seiner Walpurgisnacht-Ballade: Goethes Brief an Mendelssohn: „Es ist im eigentlichen Sinne hochsymbolisch intentioniert, denn es muss sich in der Weltgeschichte immerfort wiederholen, dass ein Altes, Gegründetes, Geprüftes, Beruhigendes durch auftauchende Neuerungen gedrängt, geschoben, verrückt und wo nicht vertilgt, so doch in den engsten Raum eingepfercht werde.“ Dort auf dem Blocksberg, im wüsten und gemeinhin unzugänglichen Gebirge des Harzes, werden die alten keltischen Rituale durch die Druiden vollzogen, gegen „die aufspürenden bewaffneten Bekehrer“ des „dem Volke aufgedrungenen“ Christentums. In der Walpurgisnacht vertreiben die Druiden ihre christlichen Widersacher indem sie deren eigenen Aberglauben gegen sie einsetzen um unter dem Schutz von
Teufelsfratzen und wilden Hexentänzen „den reinsten Gottesdienst zu vollenden“ (Goethe
1799 an Friedrich Zelter). Die Ballade schließt nach der Flucht der von Flammenglut, dampfenden Höllen-Broden und entsetzlichem Getöse vertriebenen christlichen Bekehrer mit dem Chor der Druiden:
Die Flamme reinigt sich vom Rauch:
So rein’ge unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch,
Dein Licht wer kann es rauben!“
Tassilo Hofer sieht hier den Ansatz zum Sinngehalt und zur Zeitnähe seines Tondos: Eine Religion bekämpft die andere, womöglich mit ihren eigenen Waffen, Ritual steht gegen Ritual. – Dass die Strukturen seines Tondos auch „Schöpfung“ meinen könnten, mag durchaus gefragt werden, - kein Widerspruch also.
Das Relief „Sprache des Vergangen“ erinnert an sagenhafte Städte, die längst zu Grunde gingen: ob Ninive, Sodom oder Gomorra, Troja oder Babylon. Hofer: „Es ist das Vergangene das einmal Etwas war, das zu den
Menschen spricht, das sie beschäftigt, ihre Fantasie anregt. – Alles wird einmal vergangen sein, auch unsere (Mega-) Städte.“
Tassilo Hofer malt grundsätzlich nicht das, was er vordergründig sieht. Seine Bilder sind keine Abbilder. Seine harmonikalen Ordnungen entstehen in seinen neueren Werken aus hellen, gelben Bahnen inmitten von Abstufungen und Feldern aus Blau und Grün. Wege und Straßen scheinen gemeint zu sein und sind es doch nicht in der Absicht des Malers. Keine Landschaften also, doch allemal eine Ordnung, voller Wechselspiel und Entsprechung. Selbst eine auf den ersten Blick so erscheinende Berg- und Wasserland schaft ist keine solche, soll es nicht sein. Beim schließlich gegebenen Bildtitel „Mirage“ dachte Hofer an die eigentliche Bedeutung des Wortes: Luftspiegelung, Fata Morgana, Täuschung.
Es ist alles die künstlerische Ernte von sechs Monaten, preisgegeben der öffentlichen Betrachtung am Ort des Entstehens: zum Schauen und zum Denken Anlass gebend, inmitten von Gartengrün am munteren Mühlbach. Reinhard Müller-Mehlis
Presseinfo
Sein Atelier und seinen Wohnsitz hat Tassilo Hofer, 1934 in Augsburg als Sohn des Kunstmalers August Hofer geboren, seit 1969 in einer damals ruinösen, nun längst für die eigenen Zwecke nutzbar gemachten alten Mühle, am rauschenden Bach im Nördlichen Chiemgau.
Nach seinen Jahren als Bühnenbildner, Filmarchitekt und Mitgestalter öffentlicher Bauten – zuletzt in Berlin – zog sich Hofer zurück in die Gefilde der Kontemplation und eines naturnahen Lebens, das ihm die kontinuierliche Fortsetzung seiner bildnerischen Arbeit ermöglicht.
Tassilo Hofer lädt nun ein zur Betrachtung seiner zumal neueren Arbeiten: Malerei und Plastik. Es sind Sinnbilder ganz persönlicher Art – ohne Vorbilder und ohne Vorarbeiten, stets offen für die eigene Prägung des Ergebnisses. Bestimmbare Assoziationen und weiterführende Ideen beziehen sich nicht auf ein Abbild von Etwas, sondern auf eine Sinn-gebung, die keinen Anspruch auf eine gültige Deutung erhebt.
So ist der schließlich „Ritual“ genannte große Bronze Tondo ist nicht als eine womöglich exakte Illustration eines begrenzten Vorgangs zu verstehen, eines religiösen Zeremoniells von bekannten Formen und Ausmaßen. Hier immerhin gibt Hofer Erläuterungen an die Hand: Er bezieht sich auf Mendelssohn-Bartholdys weltliches Oratorium, (Große Kantate), „Die erste Walpurgisnacht“ op.60, dem die gleichnamige Ballade Goethes von 1799 zugrunde liegt. Der im Mittelteil von Mendelssohn entfachte gewaltige Höllenspuk (Robert Waltemath) entfaltet mit dem gesamten Chor und großem Orchester ein Inferno, das mit der 1842-43 überarbeiteten und am 2. Febr. 1843 im Leipziger Gewandhaus aufgeführten und heute gültigen Fassung insbesondere Hector Berlioz auf euphorische Weise faszinierte.
Hofer kann sich selber mit diesen nachträglich herangezogenen Fundstellen eine Bestätigung seines ursprünglichen gestalterischen Ansatzes und der handwerklich aufwändigen Durchführung liefern. Für ihn gelten primär die Stichworte Höllenspuk und Inferno in der Charakterisierung seines großen, schweren Tondo-Reliefs. Fest und aufrecht in der stürmischen Woge scheint der Rest eines alten Baumes dem Tosen der wilden Elemente zu trotzen. Borkige und löcherige Partien der solchermaßen differenzierten Flächen tragen bei zur Dynamik des Ganzen. Bis zum hellen Messing-Charakter sandgestrahlte und polierte Partien ragen hervor aus dem grünlichen und bläulichen Schwarz der Brandstätte.
Begleitet wird das Hauptwerk von einem rechtwinkligen Relief voller Entsprechungen ähnlicher Art. Hofer sieht sich insbesondere bestätigt durch Goethes Erläuterungen zu seiner Walpurgisnacht-Ballade: Goethes Brief an Mendelssohn: „Es ist im eigentlichen Sinne hochsymbolisch intentioniert, denn es muss sich in der Weltgeschichte immerfort wiederholen, dass ein Altes, Gegründetes, Geprüftes, Beruhigendes durch auftauchende Neuerungen gedrängt, geschoben, verrückt und wo nicht vertilgt, so doch in den engsten Raum eingepfercht werde.“ Dort auf dem Blocksberg, im wüsten und gemeinhin unzugänglichen Gebirge des Harzes, werden die alten keltischen Rituale durch die Druiden vollzogen, gegen „die aufspürenden bewaffneten Bekehrer“ des „dem Volke aufgedrungenen“ Christentums. In der Walpurgisnacht vertreiben die Druiden ihre christlichen Widersacher indem sie deren eigenen Aberglauben gegen sie einsetzen um unter dem Schutz von
Teufelsfratzen und wilden Hexentänzen „den reinsten Gottesdienst zu vollenden“ (Goethe
1799 an Friedrich Zelter). Die Ballade schließt nach der Flucht der von Flammenglut, dampfenden Höllen-Broden und entsetzlichem Getöse vertriebenen christlichen Bekehrer mit dem Chor der Druiden:
Die Flamme reinigt sich vom Rauch:
So rein’ge unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch,
Dein Licht wer kann es rauben!“
Tassilo Hofer sieht hier den Ansatz zum Sinngehalt und zur Zeitnähe seines Tondos: Eine Religion bekämpft die andere, womöglich mit ihren eigenen Waffen, Ritual steht gegen Ritual. – Dass die Strukturen seines Tondos auch „Schöpfung“ meinen könnten, mag durchaus gefragt werden, - kein Widerspruch also.
Das Relief „Sprache des Vergangen“ erinnert an sagenhafte Städte, die längst zu Grunde gingen: ob Ninive, Sodom oder Gomorra, Troja oder Babylon. Hofer: „Es ist das Vergangene das einmal Etwas war, das zu den
Menschen spricht, das sie beschäftigt, ihre Fantasie anregt. – Alles wird einmal vergangen sein, auch unsere (Mega-) Städte.“
Tassilo Hofer malt grundsätzlich nicht das, was er vordergründig sieht. Seine Bilder sind keine Abbilder. Seine harmonikalen Ordnungen entstehen in seinen neueren Werken aus hellen, gelben Bahnen inmitten von Abstufungen und Feldern aus Blau und Grün. Wege und Straßen scheinen gemeint zu sein und sind es doch nicht in der Absicht des Malers. Keine Landschaften also, doch allemal eine Ordnung, voller Wechselspiel und Entsprechung. Selbst eine auf den ersten Blick so erscheinende Berg- und Wasserland schaft ist keine solche, soll es nicht sein. Beim schließlich gegebenen Bildtitel „Mirage“ dachte Hofer an die eigentliche Bedeutung des Wortes: Luftspiegelung, Fata Morgana, Täuschung.
Es ist alles die künstlerische Ernte von sechs Monaten, preisgegeben der öffentlichen Betrachtung am Ort des Entstehens: zum Schauen und zum Denken Anlass gebend, inmitten von Gartengrün am munteren Mühlbach. Reinhard Müller-Mehlis
tassilo hofer
Sein Atelier und seinen Wohnsitz hat Tassilo
Hofer, 1934 in Augsburg als Sohn des Kunstmalers August Hofer geboren, seit 1969 in einer damals ruinösen, nun längst für die eigenen Zwecke nutzbar gemachten alten Mühle, am rauschenden Bach im Nördlichen Chiemgau.
Nach seinen Jahren als Bühnenbildner, Film- architekt und Mitgestalter öffentlicher Bauten – zuletzt in Berlin – zog sich Hofer zurück in die Gefilde der Kontemplation und eines naturnahen Lebens, das ihm die kontinuier-liche Fortsetzung seiner bildnerischen Arbeit ermöglicht.
Tassilo Hofer lädt nun ein zur Betrachtung seiner zumal neueren Arbeiten: Malerei und Plastik. Es sind Sinnbilder ganz persönlicher Art – ohne Vorbilder und ohne Vorarbeiten, stets offen für die eigene Prägung des Ergeb-nisses. Bestimmbare Assoziationen und weiterführende Ideen beziehen sich nicht auf ein Abbild von Etwas, sondern auf eine Sinn-gebung, die keinen Anspruch auf eine gültige Deutung erhebt.
So ist der schließlich „Ritual“ genannte große Bronze Tondo nicht als eine womöglich exakte Illustration eines begrenzten Vorgangs
zu verstehen, eines religiösen Zeremoniells von bekannten Formen und Ausmaßen. Hier immerhin gibt Hofer Erläuterungen an die Hand: Er bezieht sich auf Mendelssohn-Bartholdys weltliches Oratorium, (Große Kantate), „Die erste Walpurgisnacht“ op.60, dem die gleichnamige Ballade Goethes von 1799 zugrunde liegt. Der im Mittelteil von Mendelssohn entfachte gewaltige Höllenspuk (Robert Waltemath) entfaltet mit dem gesam-ten Chor und großem Orchester ein Inferno, das mit der 1842-43 überarbeiteten und am 2. Febr. 1843 im Leipziger Gewandhaus
aufgeführten und heute gültigen Fassung
insbesondere Hector Berlioz auf euphorische Weise faszinierte.
Hofer kann sich selber mit diesen nachträglich herangezogenen Fundstellen eine Bestäti-gung seines ursprünglichen gestalterischen Ansatzes und der handwerklich aufwändigen Durchführung liefern. Für ihn gelten primär die Stichworte Höllenspuk und Inferno in der Charakterisierung seines großen, schweren Tondo-Reliefs. Fest und aufrecht in der stür-mischen Woge scheint der Rest eines alten Baumes dem Tosen der wilden Elemente zu trotzen. Borkige und löcherige Partien der solchermaßen differenzierten Flächen tragen bei zur Dynamik des Ganzen. Bis zum hellen Messing-Charakter sandgestrahlte und polier-te Partien ragen hervor aus dem grünlichen und bläulichen Schwarz der Brandstätte.
Begleitet wird das Hauptwerk von einem rechtwinkligen Relief voller Entsprechungen ähnlicher Art. Hofer sieht sich insbesondere bestätigt durch Goethes Erläuterungen zu seiner Walpurgisnacht-Ballade: Goethes Brief an Mendelssohn: „Es ist im eigentlichen Sinne hochsymbolisch intentioniert, denn es muss sich in der Weltgeschichte immerfort wieder-holen, daß ein Altes, Gegründetes, Geprüftes, Beruhigendes durch auftauchende Neuerun-gen gedrängt, geschoben, verrückt und wo nicht vertilgt, so doch in den engsten Raum eingepfercht werde.“ Dort auf dem Blocks-berg, im wüsten und gemeinhin unzugäng-lichen Gebirge des Harzes, werden die alten keltischen Rituale durch die Druiden voll-zogen, gegen „die aufspürenden bewaffneten Bekehrer“ des „dem Volke aufgedrungenen“ Christentums. In der Walpurgisnacht vertrei-ben die Druiden ihre christlichen Widersacher indem sie deren eigenen Aberglauben gegen sie einsetzen um unter dem Schutz von
Teufelsfratzen und wilden Hexentänzen „den reinsten Gottesdienst zu vollenden“ (Goethe
1799 an Friedrich Zelter). Die Ballade schließt nach der Flucht der von Flammenglut, damp-fenden Höllen-Broden und entsetzlichem Getöse vertriebenen christlichen Bekehrer mit dem Chor der Druiden:
Die Flamme reinigt sich vom Rauch:
So rein’ge unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch,
Dein Licht wer kann es rauben!“
Tassilo Hofer sieht hier den Ansatz zum Sinngehalt und zur Zeitnähe seines Tondos: Eine Religion bekämpft die andere, womög-lich mit ihren eigenen Waffen, Ritual steht gegen Ritual. – Dass die Strukturen seines Tondos auch „Schöpfung“ meinen könnten, mag durchaus gefragt werden, - kein Widerspruch also.
Das Relief „Sprache des Vergangen“ erinnert an sagenhafte Städte, die längst zu Grunde gingen: ob Ninive, Sodom oder Gomorra, Troja oder Babylon. Hofer: „Es ist das Ver-gangene das einmal Etwas war, das zu den
Menschen spricht, das sie beschäftigt, ihre Fantasie anregt. – Alles wird einmal vergangen sein, auch unsere (Mega-) Städte.“
Tassilo Hofer malt grundsätzlich nicht das, was er vordergründig sieht. Seine Bilder sind keine Abbilder. Seine harmonikalen Ordnun-gen entstehen in seinen neueren Werken aus hellen, gelben Bahnen inmitten von Abstufun-gen und Feldern aus Blau und Grün. Wege und Straßen scheinen gemeint zu sein und sind es doch nicht in der Absicht des Malers. Keine Landschaften also, doch allemal eine Ordnung, voller Wechselspiel und Entspre-chung. Selbst eine auf den ersten Blick so er-scheinende Berg- und Wasserlandschaft ist keine solche, soll es nicht sein. Beim schließ-lich gegebenen Bildtitel „Mirage“ dachte Hofer an die eigentliche Bedeutung des Wortes: Luftspiegelung, Fata Morgana, Täuschung.
Es ist alles die künstlerische Ernte von sechs Monaten, preisgegeben der öffentlichen Betrachtung am Ort des Entstehens: zum Schauen und zum Denken Anlass gebend, inmitten von Gartengrün am munteren Mühlbach.
Reinhard Müller-Mehlis
Presseinfo
tassilo hofer
Sein Atelier und seinen Wohnsitz hat Tassilo
Hofer, 1934 in Augsburg als Sohn des Kunstmalers August Hofer geboren, seit 1969 in einer damals ruinösen, nun längst für die eigenen Zwecke nutzbar gemachten alten Mühle, am rauschenden Bach im Nördlichen Chiemgau.
Nach seinen Jahren als Bühnenbildner, Film- architekt und Mitgestalter öffentlicher Bauten – zuletzt in Berlin – zog sich Hofer zurück in die Gefilde der Kontemplation und eines naturnahen Lebens, das ihm die kontinuier-liche Fortsetzung seiner bildnerischen Arbeit ermöglicht.
Tassilo Hofer lädt nun ein zur Betrachtung seiner zumal neueren Arbeiten: Malerei und Plastik. Es sind Sinnbilder ganz persönlicher Art – ohne Vorbilder und ohne Vorarbeiten, stets offen für die eigene Prägung des Ergeb-nisses. Bestimmbare Assoziationen und weiterführende Ideen beziehen sich nicht auf ein Abbild von Etwas, sondern auf eine Sinn-gebung, die keinen Anspruch auf eine gültige Deutung erhebt.
So ist der schließlich „Ritual“ genannte große Bronze Tondo nicht als eine womöglich exakte Illustration eines begrenzten Vorgangs
zu verstehen, eines religiösen Zeremoniells von bekannten Formen und Ausmaßen. Hier immerhin gibt Hofer Erläuterungen an die Hand: Er bezieht sich auf Mendelssohn-Bartholdys weltliches Oratorium, (Große Kantate), „Die erste Walpurgisnacht“ op.60, dem die gleichnamige Ballade Goethes von 1799 zugrunde liegt. Der im Mittelteil von Mendelssohn entfachte gewaltige Höllenspuk (Robert Waltemath) entfaltet mit dem gesam-ten Chor und großem Orchester ein Inferno, das mit der 1842-43 überarbeiteten und am 2. Febr. 1843 im Leipziger Gewandhaus
aufgeführten und heute gültigen Fassung
insbesondere Hector Berlioz auf euphorische Weise faszinierte.
Hofer kann sich selber mit diesen nachträglich herangezogenen Fundstellen eine Bestäti-gung seines ursprünglichen gestalterischen Ansatzes und der handwerklich aufwändigen Durchführung liefern. Für ihn gelten primär die Stichworte Höllenspuk und Inferno in der Charakterisierung seines großen, schweren Tondo-Reliefs. Fest und aufrecht in der stür-mischen Woge scheint der Rest eines alten Baumes dem Tosen der wilden Elemente zu trotzen. Borkige und löcherige Partien der solchermaßen differenzierten Flächen tragen bei zur Dynamik des Ganzen. Bis zum hellen Messing-Charakter sandgestrahlte und polier-te Partien ragen hervor aus dem grünlichen und bläulichen Schwarz der Brandstätte.
Begleitet wird das Hauptwerk von einem rechtwinkligen Relief voller Entsprechungen ähnlicher Art. Hofer sieht sich insbesondere bestätigt durch Goethes Erläuterungen zu seiner Walpurgisnacht-Ballade: Goethes Brief an Mendelssohn: „Es ist im eigentlichen Sinne hochsymbolisch intentioniert, denn es muss sich in der Weltgeschichte immerfort wieder-holen, daß ein Altes, Gegründetes, Geprüftes, Beruhigendes durch auftauchende Neuerun-gen gedrängt, geschoben, verrückt und wo nicht vertilgt, so doch in den engsten Raum eingepfercht werde.“ Dort auf dem Blocks-berg, im wüsten und gemeinhin unzugäng-lichen Gebirge des Harzes, werden die alten keltischen Rituale durch die Druiden voll-zogen, gegen „die aufspürenden bewaffneten Bekehrer“ des „dem Volke aufgedrungenen“ Christentums. In der Walpurgisnacht vertrei-ben die Druiden ihre christlichen Widersacher indem sie deren eigenen Aberglauben gegen sie einsetzen um unter dem Schutz von
Teufelsfratzen und wilden Hexentänzen „den reinsten Gottesdienst zu vollenden“ (Goethe
1799 an Friedrich Zelter). Die Ballade schließt nach der Flucht der von Flammenglut, damp-fenden Höllen-Broden und entsetzlichem Getöse vertriebenen christlichen Bekehrer mit dem Chor der Druiden:
Die Flamme reinigt sich vom Rauch:
So rein’ge unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch,
Dein Licht wer kann es rauben!“
Tassilo Hofer sieht hier den Ansatz zum Sinngehalt und zur Zeitnähe seines Tondos: Eine Religion bekämpft die andere, womög-lich mit ihren eigenen Waffen, Ritual steht gegen Ritual. – Dass die Strukturen seines Tondos auch „Schöpfung“ meinen könnten, mag durchaus gefragt werden, - kein Widerspruch also.
Das Relief „Sprache des Vergangen“ erinnert an sagenhafte Städte, die längst zu Grunde gingen: ob Ninive, Sodom oder Gomorra, Troja oder Babylon. Hofer: „Es ist das Ver-gangene das einmal Etwas war, das zu den
Menschen spricht, das sie beschäftigt, ihre Fantasie anregt. – Alles wird einmal vergangen sein, auch unsere (Mega-) Städte.“
Tassilo Hofer malt grundsätzlich nicht das, was er vordergründig sieht. Seine Bilder sind keine Abbilder. Seine harmonikalen Ordnun-gen entstehen in seinen neueren Werken aus hellen, gelben Bahnen inmitten von Abstufun-gen und Feldern aus Blau und Grün. Wege und Straßen scheinen gemeint zu sein und sind es doch nicht in der Absicht des Malers. Keine Landschaften also, doch allemal eine Ordnung, voller Wechselspiel und Entspre-chung. Selbst eine auf den ersten Blick so er-scheinende Berg- und Wasserlandschaft ist keine solche, soll es nicht sein. Beim schließ-lich gegebenen Bildtitel „Mirage“ dachte Hofer an die eigentliche Bedeutung des Wortes: Luftspiegelung, Fata Morgana, Täuschung.
Es ist alles die künstlerische Ernte von sechs Monaten, preisgegeben der öffentlichen Betrachtung am Ort des Entstehens: zum Schauen und zum Denken Anlass gebend, inmitten von Gartengrün am munteren Mühlbach.
Reinhard Müller-Mehlis
Presseinfo
tassilo hofer
Sein Atelier und seinen Wohnsitz hat Tassilo
Hofer, 1934 in Augsburg als Sohn des Kunstmalers August Hofer geboren, seit 1969 in einer damals ruinösen, nun längst für die eigenen Zwecke nutzbar gemachten alten Mühle, am rauschenden Bach im Nördlichen Chiemgau.
Nach seinen Jahren als Bühnenbildner, Film- architekt und Mitgestalter öffentlicher Bauten – zuletzt in Berlin – zog sich Hofer zurück in die Gefilde der Kontemplation und eines naturnahen Lebens, das ihm die kontinuier-liche Fortsetzung seiner bildnerischen Arbeit ermöglicht.
Tassilo Hofer lädt nun ein zur Betrachtung seiner zumal neueren Arbeiten: Malerei und Plastik. Es sind Sinnbilder ganz persönlicher Art – ohne Vorbilder und ohne Vorarbeiten, stets offen für die eigene Prägung des Ergeb-nisses. Bestimmbare Assoziationen und weiterführende Ideen beziehen sich nicht auf ein Abbild von Etwas, sondern auf eine Sinn-gebung, die keinen Anspruch auf eine gültige Deutung erhebt.
So ist der schließlich „Ritual“ genannte große Bronze Tondo nicht als eine womöglich exakte Illustration eines begrenzten Vorgangs
zu verstehen, eines religiösen Zeremoniells von bekannten Formen und Ausmaßen. Hier immerhin gibt Hofer Erläuterungen an die Hand: Er bezieht sich auf Mendelssohn-Bartholdys weltliches Oratorium, (Große Kantate), „Die erste Walpurgisnacht“ op.60, dem die gleichnamige Ballade Goethes von 1799 zugrunde liegt. Der im Mittelteil von Mendelssohn entfachte gewaltige Höllenspuk (Robert Waltemath) entfaltet mit dem gesam-ten Chor und großem Orchester ein Inferno, das mit der 1842-43 überarbeiteten und am 2. Febr. 1843 im Leipziger Gewandhaus
aufgeführten und heute gültigen Fassung
insbesondere Hector Berlioz auf euphorische Weise faszinierte.
Hofer kann sich selber mit diesen nachträglich herangezogenen Fundstellen eine Bestäti-gung seines ursprünglichen gestalterischen Ansatzes und der handwerklich aufwändigen Durchführung liefern. Für ihn gelten primär die Stichworte Höllenspuk und Inferno in der Charakterisierung seines großen, schweren Tondo-Reliefs. Fest und aufrecht in der stür-mischen Woge scheint der Rest eines alten Baumes dem Tosen der wilden Elemente zu trotzen. Borkige und löcherige Partien der solchermaßen differenzierten Flächen tragen bei zur Dynamik des Ganzen. Bis zum hellen Messing-Charakter sandgestrahlte und polier-te Partien ragen hervor aus dem grünlichen und bläulichen Schwarz der Brandstätte.
Begleitet wird das Hauptwerk von einem rechtwinkligen Relief voller Entsprechungen ähnlicher Art. Hofer sieht sich insbesondere bestätigt durch Goethes Erläuterungen zu seiner Walpurgisnacht-Ballade: Goethes Brief an Mendelssohn: „Es ist im eigentlichen Sinne hochsymbolisch intentioniert, denn es muss sich in der Weltgeschichte immerfort wieder-holen, daß ein Altes, Gegründetes, Geprüftes, Beruhigendes durch auftauchende Neuerun-gen gedrängt, geschoben, verrückt und wo nicht vertilgt, so doch in den engsten Raum eingepfercht werde.“ Dort auf dem Blocks-berg, im wüsten und gemeinhin unzugäng-lichen Gebirge des Harzes, werden die alten keltischen Rituale durch die Druiden voll-zogen, gegen „die aufspürenden bewaffneten Bekehrer“ des „dem Volke aufgedrungenen“ Christentums. In der Walpurgisnacht vertrei-ben die Druiden ihre christlichen Widersacher indem sie deren eigenen Aberglauben gegen sie einsetzen um unter dem Schutz von
Teufelsfratzen und wilden Hexentänzen „den reinsten Gottesdienst zu vollenden“ (Goethe
1799 an Friedrich Zelter). Die Ballade schließt nach der Flucht der von Flammenglut, damp-fenden Höllen-Broden und entsetzlichem Getöse vertriebenen christlichen Bekehrer mit dem Chor der Druiden:
Die Flamme reinigt sich vom Rauch:
So rein’ge unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch,
Dein Licht wer kann es rauben!“
Tassilo Hofer sieht hier den Ansatz zum Sinngehalt und zur Zeitnähe seines Tondos: Eine Religion bekämpft die andere, womög-lich mit ihren eigenen Waffen, Ritual steht gegen Ritual. – Dass die Strukturen seines Tondos auch „Schöpfung“ meinen könnten, mag durchaus gefragt werden, - kein Widerspruch also.
Das Relief „Sprache des Vergangen“ erinnert an sagenhafte Städte, die längst zu Grunde gingen: ob Ninive, Sodom oder Gomorra, Troja oder Babylon. Hofer: „Es ist das Ver-gangene das einmal Etwas war, das zu den
Menschen spricht, das sie beschäftigt, ihre Fantasie anregt. – Alles wird einmal vergangen sein, auch unsere (Mega-) Städte.“
Tassilo Hofer malt grundsätzlich nicht das, was er vordergründig sieht. Seine Bilder sind keine Abbilder. Seine harmonikalen Ordnun-gen entstehen in seinen neueren Werken aus hellen, gelben Bahnen inmitten von Abstufun-gen und Feldern aus Blau und Grün. Wege und Straßen scheinen gemeint zu sein und sind es doch nicht in der Absicht des Malers. Keine Landschaften also, doch allemal eine Ordnung, voller Wechselspiel und Entspre-chung. Selbst eine auf den ersten Blick so er-scheinende Berg- und Wasserlandschaft ist keine solche, soll es nicht sein. Beim schließ-lich gegebenen Bildtitel „Mirage“ dachte Hofer an die eigentliche Bedeutung des Wortes: Luftspiegelung, Fata Morgana, Täuschung.
Es ist alles die künstlerische Ernte von sechs Monaten, preisgegeben der öffentlichen Betrachtung am Ort des Entstehens: zum Schauen und zum Denken Anlass gebend, inmitten von Gartengrün am munteren Mühlbach.
Reinhard Müller-Mehlis
Presseinfo
Sein Atelier und seinen Wohnsitz hat Tassilo Hofer, 1934 in Augsburg als Sohn des Kunstmalers August Hofer geboren, seit 1969 in einer damals ruinösen, nun längst für die eigenen Zwecke nutzbar gemachten alten Mühle, am rauschenden Bach im Nördlichen Chiemgau.
Nach seinen Jahren als Bühnenbildner, Filmarchitekt und Mitgestalter öffentlicher Bauten – zuletzt in Berlin – zog sich Hofer zurück in die Gefilde der Kontemplation und eines naturnahen Lebens, das ihm die kontinuierliche Fortsetzung seiner bildnerischen Arbeit ermöglicht.
Tassilo Hofer lädt nun ein zur Betrachtung seiner zumal neueren Arbeiten: Malerei und Plastik. Es sind Sinnbilder ganz persönlicher Art – ohne Vorbilder und ohne Vorarbeiten, stets offen für die eigene Prägung des Ergebnisses. Bestimmbare Assoziationen und weiterführende Ideen beziehen sich nicht auf ein Abbild von Etwas, sondern auf eine Sinn-gebung, die keinen Anspruch auf eine gültige Deutung erhebt.
So ist der schließlich „Ritual“ genannte große Bronze Tondo ist nicht als eine womöglich exakte Illustration eines begrenzten Vorgangs zu verstehen, eines religiösen Zeremoniells von bekannten Formen und Ausmaßen. Hier immerhin gibt Hofer Erläuterungen an die Hand: Er bezieht sich auf Mendelssohn-Bartholdys weltliches Oratorium, (Große Kantate), „Die erste Walpurgisnacht“ op.60, dem die gleichnamige Ballade Goethes von 1799 zugrunde liegt. Der im Mittelteil von Mendelssohn entfachte gewaltige Höllenspuk (Robert Waltemath) entfaltet mit dem gesamten Chor und großem Orchester ein Inferno, das mit der 1842-43 überarbeiteten und am 2. Febr. 1843 im Leipziger Gewandhaus aufgeführten und heute gültigen Fassung insbesondere Hector Berlioz auf euphorische Weise faszinierte.
Hofer kann sich selber mit diesen nachträglich herangezogenen Fundstellen eine Bestätigung seines ursprünglichen gestalterischen Ansatzes und der handwerklich aufwändigen Durchführung liefern. Für ihn gelten primär die Stichworte Höllenspuk und Inferno in der Charakterisierung seines großen, schweren Tondo-Reliefs. Fest und aufrecht in der stürmischen Woge scheint der Rest eines alten Baumes dem Tosen der wilden Elemente zu trotzen. Borkige und löcherige Partien der solchermaßen differenzierten Flächen tragen bei zur Dynamik des Ganzen. Bis zum hellen Messing-Charakter sandgestrahlte und polierte Partien ragen hervor aus dem grünlichen und bläulichen Schwarz der Brandstätte.
Begleitet wird das Hauptwerk von einem rechtwinkligen Relief voller Entsprechungen ähnlicher Art. Hofer sieht sich insbesondere bestätigt durch Goethes Erläuterungen zu seiner Walpurgisnacht-Ballade: Goethes Brief an Mendelssohn: „Es ist im eigentlichen Sinne hochsymbolisch intentioniert, denn es muss sich in der Weltgeschichte immerfort wiederholen, dass ein Altes, Gegründetes, Geprüftes, Beruhigendes durch auftauchende Neuerungen gedrängt, geschoben, verrückt und wo nicht vertilgt, so doch in den engsten Raum eingepfercht werde.“ Dort auf dem Blocksberg, im wüsten und gemeinhin unzugänglichen Gebirge des Harzes, werden die alten keltischen Rituale durch die Druiden vollzogen, gegen „die aufspürenden bewaffneten Bekehrer“ des „dem Volke aufgedrungenen“ Christentums. In der Walpurgisnacht vertreiben die Druiden ihre christlichen Widersacher indem sie deren eigenen Aberglauben gegen sie einsetzen um unter dem Schutz von
Teufelsfratzen und wilden Hexentänzen „den reinsten Gottesdienst zu vollenden“ (Goethe
1799 an Friedrich Zelter). Die Ballade schließt nach der Flucht der von Flammenglut, dampfenden Höllen-Broden und entsetzlichem Getöse vertriebenen christlichen Bekehrer mit dem Chor der Druiden:
Die Flamme reinigt sich vom Rauch:
So rein’ge unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch,
Dein Licht wer kann es rauben!“
Tassilo Hofer sieht hier den Ansatz zum Sinngehalt und zur Zeitnähe seines Tondos: Eine Religion bekämpft die andere, womöglich mit ihren eigenen Waffen, Ritual steht gegen Ritual. – Dass die Strukturen seines Tondos auch „Schöpfung“ meinen könnten, mag durchaus gefragt werden, - kein Widerspruch also.
Das Relief „Sprache des Vergangen“ erinnert an sagenhafte Städte, die längst zu Grunde gingen: ob Ninive, Sodom oder Gomorra, Troja oder Babylon. Hofer: „Es ist das Vergangene das einmal Etwas war, das zu den
Menschen spricht, das sie beschäftigt, ihre Fantasie anregt. – Alles wird einmal vergangen sein, auch unsere (Mega-) Städte.“
Tassilo Hofer malt grundsätzlich nicht das, was er vordergründig sieht. Seine Bilder sind keine Abbilder. Seine harmonikalen Ordnungen entstehen in seinen neueren Werken aus hellen, gelben Bahnen inmitten von Abstufungen und Feldern aus Blau und Grün. Wege und Straßen scheinen gemeint zu sein und sind es doch nicht in der Absicht des Malers. Keine Landschaften also, doch allemal eine Ordnung, voller Wechselspiel und Entsprechung. Selbst eine auf den ersten Blick so erscheinende Berg- und Wasserland schaft ist keine solche, soll es nicht sein. Beim schließlich gegebenen Bildtitel „Mirage“ dachte Hofer an die eigentliche Bedeutung des Wortes: Luftspiegelung, Fata Morgana, Täuschung.
Es ist alles die künstlerische Ernte von sechs Monaten, preisgegeben der öffentlichen Betrachtung am Ort des Entstehens: zum Schauen und zum Denken Anlass gebend, inmitten von Gartengrün am munteren Mühlbach. Reinhard Müller-Mehlis
Presseinfo
Sein Atelier und seinen Wohnsitz hat Tassilo Hofer, 1934 in Augsburg als Sohn des Kunstmalers August Hofer geboren, seit 1969 in einer damals ruinösen, nun längst für die eigenen Zwecke nutzbar gemachten alten Mühle, am rauschenden Bach im Nördlichen Chiemgau.
Nach seinen Jahren als Bühnenbildner, Filmarchitekt und Mitgestalter öffentlicher Bauten – zuletzt in Berlin – zog sich Hofer zurück in die Gefilde der Kontemplation und eines naturnahen Lebens, das ihm die kontinuierliche Fortsetzung seiner bildnerischen Arbeit ermöglicht.
Tassilo Hofer lädt nun ein zur Betrachtung seiner zumal neueren Arbeiten: Malerei und Plastik. Es sind Sinnbilder ganz persönlicher Art – ohne Vorbilder und ohne Vorarbeiten, stets offen für die eigene Prägung des Ergebnisses. Bestimmbare Assoziationen und weiterführende Ideen beziehen sich nicht auf ein Abbild von Etwas, sondern auf eine Sinn-gebung, die keinen Anspruch auf eine gültige Deutung erhebt.
So ist der schließlich „Ritual“ genannte große Bronze Tondo ist nicht als eine womöglich exakte Illustration eines begrenzten Vorgangs zu verstehen, eines religiösen Zeremoniells von bekannten Formen und Ausmaßen. Hier immerhin gibt Hofer Erläuterungen an die Hand: Er bezieht sich auf Mendelssohn-Bartholdys weltliches Oratorium, (Große Kantate), „Die erste Walpurgisnacht“ op.60, dem die gleichnamige Ballade Goethes von 1799 zugrunde liegt. Der im Mittelteil von Mendelssohn entfachte gewaltige Höllenspuk (Robert Waltemath) entfaltet mit dem gesamten Chor und großem Orchester ein Inferno, das mit der 1842-43 überarbeiteten und am 2. Febr. 1843 im Leipziger Gewandhaus aufgeführten und heute gültigen Fassung insbesondere Hector Berlioz auf euphorische Weise faszinierte.
Hofer kann sich selber mit diesen nachträglich herangezogenen Fundstellen eine Bestätigung seines ursprünglichen gestalterischen Ansatzes und der handwerklich aufwändigen Durchführung liefern. Für ihn gelten primär die Stichworte Höllenspuk und Inferno in der Charakterisierung seines großen, schweren Tondo-Reliefs. Fest und aufrecht in der stürmischen Woge scheint der Rest eines alten Baumes dem Tosen der wilden Elemente zu trotzen. Borkige und löcherige Partien der solchermaßen differenzierten Flächen tragen bei zur Dynamik des Ganzen. Bis zum hellen Messing-Charakter sandgestrahlte und polierte Partien ragen hervor aus dem grünlichen und bläulichen Schwarz der Brandstätte.
Begleitet wird das Hauptwerk von einem rechtwinkligen Relief voller Entsprechungen ähnlicher Art. Hofer sieht sich insbesondere bestätigt durch Goethes Erläuterungen zu seiner Walpurgisnacht-Ballade: Goethes Brief an Mendelssohn: „Es ist im eigentlichen Sinne hochsymbolisch intentioniert, denn es muss sich in der Weltgeschichte immerfort wiederholen, dass ein Altes, Gegründetes, Geprüftes, Beruhigendes durch auftauchende Neuerungen gedrängt, geschoben, verrückt und wo nicht vertilgt, so doch in den engsten Raum eingepfercht werde.“ Dort auf dem Blocksberg, im wüsten und gemeinhin unzugänglichen Gebirge des Harzes, werden die alten keltischen Rituale durch die Druiden vollzogen, gegen „die aufspürenden bewaffneten Bekehrer“ des „dem Volke aufgedrungenen“ Christentums. In der Walpurgisnacht vertreiben die Druiden ihre christlichen Widersacher indem sie deren eigenen Aberglauben gegen sie einsetzen um unter dem Schutz von
Teufelsfratzen und wilden Hexentänzen „den reinsten Gottesdienst zu vollenden“ (Goethe
1799 an Friedrich Zelter). Die Ballade schließt nach der Flucht der von Flammenglut, dampfenden Höllen-Broden und entsetzlichem Getöse vertriebenen christlichen Bekehrer mit dem Chor der Druiden:
Die Flamme reinigt sich vom Rauch:
So rein’ge unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch,
Dein Licht wer kann es rauben!“
Tassilo Hofer sieht hier den Ansatz zum Sinngehalt und zur Zeitnähe seines Tondos: Eine Religion bekämpft die andere, womöglich mit ihren eigenen Waffen, Ritual steht gegen Ritual. – Dass die Strukturen seines Tondos auch „Schöpfung“ meinen könnten, mag durchaus gefragt werden, - kein Widerspruch also.
Das Relief „Sprache des Vergangen“ erinnert an sagenhafte Städte, die längst zu Grunde gingen: ob Ninive, Sodom oder Gomorra, Troja oder Babylon. Hofer: „Es ist das Vergangene das einmal Etwas war, das zu den
Menschen spricht, das sie beschäftigt, ihre Fantasie anregt. – Alles wird einmal vergangen sein, auch unsere (Mega-) Städte.“
Tassilo Hofer malt grundsätzlich nicht das, was er vordergründig sieht. Seine Bilder sind keine Abbilder. Seine harmonikalen Ordnungen entstehen in seinen neueren Werken aus hellen, gelben Bahnen inmitten von Abstufungen und Feldern aus Blau und Grün. Wege und Straßen scheinen gemeint zu sein und sind es doch nicht in der Absicht des Malers. Keine Landschaften also, doch allemal eine Ordnung, voller Wechselspiel und Entsprechung. Selbst eine auf den ersten Blick so erscheinende Berg- und Wasserland schaft ist keine solche, soll es nicht sein. Beim schließlich gegebenen Bildtitel „Mirage“ dachte Hofer an die eigentliche Bedeutung des Wortes: Luftspiegelung, Fata Morgana, Täuschung.
Es ist alles die künstlerische Ernte von sechs Monaten, preisgegeben der öffentlichen Betrachtung am Ort des Entstehens: zum Schauen und zum Denken Anlass gebend, inmitten von Gartengrün am munteren Mühlbach. Reinhard Müller-Mehlis
Presseinfo
Sein Atelier und seinen Wohnsitz hat Tassilo Hofer, 1934 in Augsburg als Sohn des Kunstmalers August Hofer geboren, seit 1969 in einer damals ruinösen, nun längst für die eigenen Zwecke nutzbar gemachten alten Mühle, am rauschenden Bach im Nördlichen Chiemgau.
Nach seinen Jahren als Bühnenbildner, Filmarchitekt und Mitgestalter öffentlicher Bauten – zuletzt in Berlin – zog sich Hofer zurück in die Gefilde der Kontemplation und eines naturnahen Lebens, das ihm die kontinuierliche Fortsetzung seiner bildnerischen Arbeit ermöglicht.
Tassilo Hofer lädt nun ein zur Betrachtung seiner zumal neueren Arbeiten: Malerei und Plastik. Es sind Sinnbilder ganz persönlicher Art – ohne Vorbilder und ohne Vorarbeiten, stets offen für die eigene Prägung des Ergebnisses. Bestimmbare Assoziationen und weiterführende Ideen beziehen sich nicht auf ein Abbild von Etwas, sondern auf eine Sinn-gebung, die keinen Anspruch auf eine gültige Deutung erhebt.
So ist der schließlich „Ritual“ genannte große Bronze Tondo ist nicht als eine womöglich exakte Illustration eines begrenzten Vorgangs zu verstehen, eines religiösen Zeremoniells von bekannten Formen und Ausmaßen. Hier immerhin gibt Hofer Erläuterungen an die Hand: Er bezieht sich auf Mendelssohn-Bartholdys weltliches Oratorium, (Große Kantate), „Die erste Walpurgisnacht“ op.60, dem die gleichnamige Ballade Goethes von 1799 zugrunde liegt. Der im Mittelteil von Mendelssohn entfachte gewaltige Höllenspuk (Robert Waltemath) entfaltet mit dem gesamten Chor und großem Orchester ein Inferno, das mit der 1842-43 überarbeiteten und am 2. Febr. 1843 im Leipziger Gewandhaus aufgeführten und heute gültigen Fassung insbesondere Hector Berlioz auf euphorische Weise faszinierte.
Hofer kann sich selber mit diesen nachträglich herangezogenen Fundstellen eine Bestätigung seines ursprünglichen gestalterischen Ansatzes und der handwerklich aufwändigen Durchführung liefern. Für ihn gelten primär die Stichworte Höllenspuk und Inferno in der Charakterisierung seines großen, schweren Tondo-Reliefs. Fest und aufrecht in der stürmischen Woge scheint der Rest eines alten Baumes dem Tosen der wilden Elemente zu trotzen. Borkige und löcherige Partien der solchermaßen differenzierten Flächen tragen bei zur Dynamik des Ganzen. Bis zum hellen Messing-Charakter sandgestrahlte und polierte Partien ragen hervor aus dem grünlichen und bläulichen Schwarz der Brandstätte.
Begleitet wird das Hauptwerk von einem rechtwinkligen Relief voller Entsprechungen ähnlicher Art. Hofer sieht sich insbesondere bestätigt durch Goethes Erläuterungen zu seiner Walpurgisnacht-Ballade: Goethes Brief an Mendelssohn: „Es ist im eigentlichen Sinne hochsymbolisch intentioniert, denn es muss sich in der Weltgeschichte immerfort wiederholen, dass ein Altes, Gegründetes, Geprüftes, Beruhigendes durch auftauchende Neuerungen gedrängt, geschoben, verrückt und wo nicht vertilgt, so doch in den engsten Raum eingepfercht werde.“ Dort auf dem Blocksberg, im wüsten und gemeinhin unzugänglichen Gebirge des Harzes, werden die alten keltischen Rituale durch die Druiden vollzogen, gegen „die aufspürenden bewaffneten Bekehrer“ des „dem Volke aufgedrungenen“ Christentums. In der Walpurgisnacht vertreiben die Druiden ihre christlichen Widersacher indem sie deren eigenen Aberglauben gegen sie einsetzen um unter dem Schutz von
Teufelsfratzen und wilden Hexentänzen „den reinsten Gottesdienst zu vollenden“ (Goethe
1799 an Friedrich Zelter). Die Ballade schließt nach der Flucht der von Flammenglut, dampfenden Höllen-Broden und entsetzlichem Getöse vertriebenen christlichen Bekehrer mit dem Chor der Druiden:
Die Flamme reinigt sich vom Rauch:
So rein’ge unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch,
Dein Licht wer kann es rauben!“
Tassilo Hofer sieht hier den Ansatz zum Sinngehalt und zur Zeitnähe seines Tondos: Eine Religion bekämpft die andere, womöglich mit ihren eigenen Waffen, Ritual steht gegen Ritual. – Dass die Strukturen seines Tondos auch „Schöpfung“ meinen könnten, mag durchaus gefragt werden, - kein Widerspruch also.
Das Relief „Sprache des Vergangen“ erinnert an sagenhafte Städte, die längst zu Grunde gingen: ob Ninive, Sodom oder Gomorra, Troja oder Babylon. Hofer: „Es ist das Vergangene das einmal Etwas war, das zu den
Menschen spricht, das sie beschäftigt, ihre Fantasie anregt. – Alles wird einmal vergangen sein, auch unsere (Mega-) Städte.“
Tassilo Hofer malt grundsätzlich nicht das, was er vordergründig sieht. Seine Bilder sind keine Abbilder. Seine harmonikalen Ordnungen entstehen in seinen neueren Werken aus hellen, gelben Bahnen inmitten von Abstufungen und Feldern aus Blau und Grün. Wege und Straßen scheinen gemeint zu sein und sind es doch nicht in der Absicht des Malers. Keine Landschaften also, doch allemal eine Ordnung, voller Wechselspiel und Entsprechung. Selbst eine auf den ersten Blick so erscheinende Berg- und Wasserland schaft ist keine solche, soll es nicht sein. Beim schließlich gegebenen Bildtitel „Mirage“ dachte Hofer an die eigentliche Bedeutung des Wortes: Luftspiegelung, Fata Morgana, Täuschung.
Es ist alles die künstlerische Ernte von sechs Monaten, preisgegeben der öffentlichen Betrachtung am Ort des Entstehens: zum Schauen und zum Denken Anlass gebend, inmitten von Gartengrün am munteren Mühlbach. Reinhard Müller-Mehlis